Thilo Schmidt | Journalist aktualisiert am 05.08.2019
VISIONEN
VITRINE
VITA
VISITENKARTE
Foto: Lilo Tadday, Helgoland
ANKLAM, DER ERSTE MENSCHENFLUG UND DAS STADTBRUCH

Anklam hat seit der Wende fast ein Drittel seiner Einwohner verloren. Nachdem die jungen Menschen gingen, kamen Rechtsextreme und machten sich die Stadt zur Beute. An die Stelle des alten, hanseatischen Marktplatzes trat nach dem Krieg die Tristesse der Plattenbauten. Doch die sind fast alle verschwunden, durch behutsame Stadterneuerung ist die Anmutung der alten Hansestadt wieder erahnbar. Das einzige erhaltene alte Gebäude am Markt ist die backsteingotische Nikolaikirche, die Taufkirche Otto Lilienthals, ein Sohn der Stadt. In der Kirche soll das "Ikareum" entstehen, ein Museum und Erlebensort über Otto Lilienthal und den ersten Menschenflug. Lilienthal schaute sich das Fliegen bei den Vögeln ab, in den großartigen Landschaften, die Anklam umgibt. Und auch die prägen das Bild und geben einen Hinweis auf den Weg, auf dem sich Anklam befindet.
Eine Reportage in zwei Teilen.
Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 21.06. [Hören...]
ÖKOLOGISCH, NACHHALTIG UND VOM HIMMEL GEKÜSST

Der Lausitz steht ein gewaltiger Strukturwandel bevor: Nach dem Ausstieg aus der Braunkohle wird eine geschundene Landschaft zurückbleiben, abgebaggerte Orte und riesige strukturelle Defizite. Die Gemeinde Nebelschütz in der sächsischen Oberlausitz allerdings ist den Strukturwandel längst angegangen – und das seit bald 30 Jahren. Die kleine Gemeinde im Kernsiedlungsgebiet der Sorben hat sich konsequent einer ökologischen, nachhaltigen Entwicklung verschrieben. Der maßgebliche Visionär ist Bürgermeister Thomas Zschornak.
Deutschlandfunk, DLF-Magazin, 02. Mai [Hören...]
ZUKUNFT AM HORIZONT. LAUSITZER LANDSCHAFTEN AN DER DEUTSCH-POLNISCHEN GRENZE

Plötzlich schauen alle auf die Lausitz. Ja, es ist Klimawandel. Und doch ist es nicht die Vergangenheit unter der Erde, weshalb sich bald die Blicke auf diesen Landstrich richten könnten, sondern die Zukunft am Horizont. Denn die hat längst begonnen, auch wegen der Nähe zum polnischen Nachbarn. Die Lausitz ist nicht nur eine Schatzkammer der fossilen Energiegewinnung, eine Schatzkammer bald vergangener Technologien, sondern auch ein Speicher grenzüberschreitender Kultur und Identitäten. Sorbisches Siedlungsgebiet ist sie seit eh und je. Auch die Aufteilung der Region in Deutsch und Polnisch ist seit 1945 Wirklichkeit. Und doch erleben die Lausitzer seit einiger Zeit einen deutsch-polnisch-sorbischen Austausch und eine Freundschaft über Grenzen hinweg. Die ‚Deutschlandrundfahrt‘ unterwegs durch eine Region im Wandel.
Deutschlandfunk Kultur - Deutschlandrundfahrt, 28. April [Hören...]
"KULINARISCHER WIDERSTAND" IN PROSCHIM - SYBILLE TETSCH IM PROFIL

Proschim könnte der letzte deutsche Ort sein, der der Braunkohle weichen muss. Der kleine Ort im Siedlungsgebiet der Sorben im Süden Brandenburgs liegt direkt am Braunkohletagebau Welzow-Süd. Mancher im Dorf sagt, sollte die Erweiterung des Tagebaus beschlossen werden, könnte der Widerstand im Hambacher Forst nur ein laues Lüftchen gewesen sein verglichen mit dem, was dann in der Lausitz passiert.
Und viele Proschimer denken gar nicht ans klein beigeben: Sie installieren Solarzellen auf den Dächern, halten ihre Häuser in Schuss. Sybille Tetsch hat mit ihrem Mann vor ein paar Jahren ein außergewöhnliches Restaurant in Proschim gegründet – um „kulinarischen Widerstand“ zu leisten.
Dlf Kultur, Studio 9, 27.April [Hören...]
"ZEHN PROZENT KULTURELLE ARMUT"

Vor einem halben Jahr macht in Chemnitz ein rechtsradikaler Mob Jagd auf Ausländer. Auslöser der Ausschreitungen ist der gewaltsame Tod eines Deutschen, mutmaßlich durch Asylbewerber. Die verstörenden Bilder von Hass und Gewalt gehen um die Welt. Tagelang kommt die sächsische Stadt nicht zur Ruhe. Zwar kommt Chemnitz zur Normalität zurück. Diese Normalität bedeutet für Migranten jedoch permanenten Alltagsrassismus. Rund um die freitäglichen Kundgebungen von "Pro Chemnitz" kommt es außerdem vermehrt zu gewalttätigen Übergriffen. So wurde ein türkisches Restaurant niedergebrannt, der Wirt eines persischen Restaurant verprügelt und schwer verletzt - und sein Restaurant zertrümmert.
Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 25. Februar [Hören ...]
WIE ICH WURDE, WER ICH BIN: DIRK HOFFMANN

Sie werden in Heimen versorgt, in Ämtern verwaltet, doch als Menschen oft vergessen. Weil man viel zu oft nicht mit ihnen redet, sondern über sie. Über Menschen mit Lernbehinderung. Deutschlandfunk Kultur portraitiert in dieser Woche vier solcher Menschen, die wir „geistig behindert“ nennen. Erzählt von ihren Lebenswegen, Traumatisierungen und ganz alltäglichen Erfahrungen. Dritter Teil einer vierteiligen Reihe im Dlf Kultur.
Dlf Kultur, Reportage, 19. Dezember [Hören ...]

NACHTSHEIMS ERWACHEN

Horst Nachtsheim ist nach der Pensionierung mit seiner Frau von Baden-Württemberg nach Brandenburg gezogen. Nachdem im Dorf Flüchtlinge untergebracht wurden, fing er an, ihnen bei der Integration zu helfen. Eines Nachts brennt sein VW-Bus, mit Glück greifen die Flammen nicht auf das Haus über. Es ist nicht die einzige Erfahrung mit Gewalt, die Herr Nachtsheim und seine Mitstreiter ertragen mussten. Aber noch schlimmer ist für sie die Gleichgültigkeit vieler Mitbürger.
SWR2, Tandem, 06. Dezember [Hören...]
WEM GEHÖRT DIE BAHN?

Die Bahnreform, vor 25 Jahren in Kraft getreten, sollte aus einem erklärtermaßen maroden Staatsunternehmen einen modernen Wirtschaftsbetrieb machen - und außerdem das Bahnfahren attraktiver.
Doch wie sieht die Bilanz nach einem Vierteljahrhundert aus? Im Fernverkehr hat sich die Bahn massiv aus der Fläche zurückgezogen und fokussiert sich auf die Rennstrecken zwischen den großen
Städten. Infrastruktur wurde großflächig zurückgebaut, Verkehrsleistungen durch die Länder abbestellt.
Wem gehört die Bahn? Den Märkten oder den Menschen? Oder anders gefragt: Käme man auf die Idee, eine Straße stillzulegen, weil sie sich nicht rechnet?
Dlf Kultur, 04.Dezember [Hören ...]
DIE GUTEN GEISTER DES KLEINEN DORFES. KREDENBACH IM SIEGERLAND

Die Tradition des Erzabbaus im Siegerland ist Jahrtausende alt. Die Geschichte als uralte Erzregion hat viele andere Traditionen nach sich gezogen: Die Sängerbewegung, der Nukleus vieler Chöre, liegt unter Tage. Der Hauberg, eine uralte genossenschaftliche Form der Waldbewirtschaftung. Gesättigt an Bräuchen und Traditionen, wird das Siegerland gemeinhin als hinterwäldlerisch, werden die Siegerländer als stur abgetan. Lange Zeit hat unser Autor diesem Vorurteil zumindest nicht widersprochen, auch wenn die letzte Grube schon 1965 geschlossen wurde und heute an kaum einem anderen Ort in Europa derart viele Weltmarktführer zu finden sind wie im Siegerland, vor allem in der mittelständischen Metallverarbeitung. Doch nun, da der Autor seinem Heimatdorf Kredenbach Lebewohl sagt, kommt er noch einmal zurück und trifft jene guten Geister, die aus einem Dorf ein Zuhause machten.
Dlf Kultur, 02. September [Hören...]