Thilo Schmidt | Journalist aktualisiert am 27.03.2024
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Foto: Anja Dorny
EINE KLEINSTADT ÜBERWINDET IHRE SPRACHLOSIGKEIT

Dippoldiswalde im Erzgebirge ist AfD-Hochburg, rechtsextreme Strukturen sind fest verankert. Jeden Montag treffen sich Rechtsextremisten zu einem „Spaziergang“ durch die Stadt. Menschen, die dagegenhalten oder sich für Geflüchtete engagieren, werden bedroht. Nun gab es auch in Dippoldiswalde eine Demonstration für die Demokratie. Angemeldet waren 100, gekommen sind 800, darunter Anhänger aller politischer Parteien des demokratischen Spektrums – und viele, die sich bisher kaum oder gar nicht politisch geäußert haben. Die rechtsextremen Gruppen, die versucht haben, die Demonstration zu stören, blieben – anders als zuvor – eine Randerscheinung.

Deutschlandfunk - Dlf-Magazin, 08. Februar [Hören...]

HERZEN AUF HAKENKREUZE

Wenn jetzt landauf, landab Engagement gegen rechtsextreme Umtriebe gefordert wird, dann wird Irmela Mensah-Schramm ungehalten. Seit den achtziger Jahren entfernt sie rechtsextreme Plakate, übermalt rassistische Graffiti, kratzt Aufkleber von Laternenpfählen. Zigtausende sind es bereits, sie hat jeden einzelnen dokumentiert. Und sie erhält dafür zwar ab und an eine Auszeichnung, aber auch Strafanzeigen – denn auch ein Hakenkreuz zu übersprühen, so befanden die Richter, ist Sachbeschädigung. Mittlerweile ist sie in ganz Deutschland mit Sprühdose und Schaber unterwegs, spricht vor Schülern, hält Vorträge. Und die 79-Jährige hat nicht vor, kürzer zu treten.

Deutschlandfunk, Deutschland heute, 18. Januar [Hören...]


DIE DEMOKRATIERETTER - BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT IN OSTDEUTSCHLAND

Die Demokratie schlittert in Ostdeutschland in eine tiefe Krise. In vielen kleinen Orten auf dem Land haben die demokratischen Parteien keine große Basis mehr. Die AfD befindet sich im Umfragehoch, rechtsextreme Weltbilder sind immer weiter verbreitet. 2024 kommt es bei Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen möglicherweise zu gleich drei Tagen der Wahrheit.
 

Aber hat der Osten wirklich ein „Demokratieproblem“? Unsere Reporter haben Menschen getroffen, die sich mit viel Zeit und Herz engagieren – in Dörfernetzwerken oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Sie verwandeln ihr Dorf jedes Jahr in eine riesige Theaterbühne oder haben durch ehrenamtliches Engagement das Schwimmbad gerettet. Es zeigt sich: Im Kleinen funktioniert die Demokratie oft viel besser als gedacht. Es sind Geschichten, die Mut machen.

Eine Reportage von Philipp Lemmerich und Thilo Schmidt aus Brandenburg und Sachsen.

Deutschlandfunk Kultur - Die Reportage, 24.12. [Hören ...]