Thilo Schmidt | Journalist aktualisiert am 08.11.2021
VISIONEN
VITRINE
VITA
VISITENKARTE
Foto: Lilo Tadday, Helgoland
DER KIRCHENUMZUG VON KLEINWUDICKE

Die Glocke bleibt in Kleinwudicke, denn die war einst eine Spende der Bürger an ihr Dorf. Der Rest der Kapelle des kleinen Dorfes im Havelland zieht um, ein paar Dörfer weiter, nach Jerchel. Denn in Jerchel gibt es keine Kirche – und in Kleinwudicke keine Gläubigen. Die kleine Kapelle aus dem 18. Jahrhundert verfiel zusehens, zuletzt musste sie eingezäunt und gestützt werden. Nun wird sie abgebaut, Stein für Stein und Balken für Balken, und in Jerchel wiederaufgebaut. Ohne Glocke allerdings. Aber: Es gab schon mal eine Kirche in Jerchel. Die wurde 1982 abgerissen. Und auch das eine Fügung: Die Jercheler ihrerseits wollten ihre Glocken nicht hergeben und stellten sie auf ein Holzgerüst. Dort, wo die neue alte Kirche ohne Glocke aus Kleinwudicke hin soll.
Deutschlandfunk Kultur - Länderreport, 28. Oktober [Hören...]
SARAH GEHT WÄHLEN

85.000 Menschen mit Behinderung, die eine rechtliche Betreuung brauchen, durften bislang nicht an Wahlen teilnehmen. Doch 2019 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass sie nicht länger von dieser politischen Teilhabe ausgeschlossen werden dürfen. 2021 dürfen nun zum ersten Mal auch betreute geistig Behinderte mitentscheiden. Wir begleiten Sarah, 36, aus Berlin-Kreuzberg bei der Vorbereitung auf die Wahl. Und merken: Der Wahl-O-Mat ist nicht barrierefrei, es gibt ihn nicht in einfacher Sprache. Dabei sind Menschen mit geistigen Behinderungen selbstverständlich urteilsfähig und haben eine klare Haltung zu vielen Dingen – aber andere Zugänge Und auch spezielle Bedürfnisse – und damit spezielle Erwartungen an die Politik.
Deutschlandfunk Kultur - Die Reportage, 26. September [Hören...]
DIE URANGST VOR DEM ABSAUFEN

Moore sind Klimaretter – wenn sie gesund sind. Sie speichern enorme Mengen an Treibhausgasen. Entwässerte Moore dagegen sind Klimakiller, weil sie enorme Mengen an CO2 ausatmen. In Mecklenburg-Vorpommern, das zu zwölf Prozent aus Mooren besteht – die meisten trockengelegt und landwirtschaftlich genutzt – sind sie mit über 30 Prozent der größte Einzelemittent an Treibhausgasen. Und so ist Klimaneutralität kaum erreichbar ohne die Renaturierung, also die Wiedervernässung von Mooren. Entlang der Peene in Vorpommern sind bereits viele Moore wiedervernässt, weitere sollen folgen. Doch die CDU Vorpommern-Greifswald unter Führung von Philipp Amthor hat das Thema für den Wahlkampf entdeckt – und warnt vor „Enteignung“ der Landnutzer und vor dem „Absaufen“.
Deutschlandfunk Kultur - Länderreport, 08.September [Hören...]
DIE UERDINGER LINIE. DER MUNDART-ÄQUATOR

Die Uerdinger Linie trennt Nord- und Süddeutschland. Genauer: die niederdeutschen (also die norddeutschen) von den hochdeutschen (also süddeutschen) Dialekten. Begründet wurde sie im 19. Jahrhundert von Georg Wenker, einem Sprachwissenschaftler und Dialektforscher, der 40 Sätze erdachte, die die Schüler der Dorfschulen aufsagten. Und die Lehrer schrieben in Lautschrift mit. Und zwar in jedem Dorf des damaligen Deutschen Reiches. Zwar schwächen sich Dialekte mit der Zeit ab, aber in manchen Gegenden hat die Uerdinger Linie wenig von ihrer Trennschärfe verloren. Zum Beispiel im Sauer- und im Siegerland – die beiden Landstriche in Nordrhein-Westfalen trennt die Uerdinger Linie exakt voneinander. Was bis heute zu hören ist.
Deutschlandfunk Kultur - Länderreport, 06. September [Hören...]